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B 2011-1

VÖ AUT 03.07.2008 Digital (Rebeat)

VÖ AUT 27.05.2011 CD (HOANZL)


 

60' / rosensprung

„Öffne das Fenster...“

Die Experimental- Prog- und Post- Rock Formation rosensprung (Tobias Leibetseder, Gernot Manhart, Roland Czaska und Robert Kern) sind mit ihrem Album 60ʻ (Blauschacht / Hoanzl) wieder ein Stück weit in neuen Gefilden unterwegs.

Ein Hörfilm. Groteske Gitarren, Fagott, Saxophon wie aus einem David Lynch Film entrissen, Klavier und Synthflächen mit Blade Runner Anmutung, Bass aus dem Äther und Schlagzeug schichtweise aufgetragen, verdichten sich zu einer fluktuierenden Klangumgebung voller unvorhersehbarer Wendungen. Umraum, Stadtraum - „Es fällt der Regen in den inneren Szenen“ (Tobias Leibetseder), und diese gestalten sich sehr unterschiedlich, von atmosphärisch fragil, bis zu breitem Noise, in beständiger Transformation und selten wirklich greifbar.

60ʻ ist eine Live Overdub-Aufnahme einer prozessualen Klangskulptur, die 2010 auf einer Gasse in Wien zur Aufführung kam. Innerhalb von 3 Zyklen zu je 60 Minuten reflektieren und interpretieren rosensprung den Stadtraum durch improvisierte akustische Interventionen zur gleichzeitig laufenden Video Installation „soho walk“ von Friedrich Zorn.

Nach dem konzeptuell angelegten Studiovorgänger Album „Zelluleare Automaten“ (Blauschacht/Hoanzl), handelt es sich bei 60ʻ um ein ebenso vielschichtiges live Album. Anklänge, die schon fragmentarisch auf Zellulaere Automaten zu hören waren, entfalten sich hier zu einem eigenen unvorhersehbaren Universum.

Wie ein Film entwickelt sich auch 60ʻ, allerdings sehr organisch, die Übergänge sind fliessend, die Szenen sphärisch wie aus einer entfernten Stadtutopie. „Der Umraum erbricht mit leisem Klicken auf die Spiegelfassaden.“ (Tobias Leibetseder) - Die Reflexion einer gentrifizierten, marktkonformen, Büro- Wohnkomplexwirklichkeit einer „Image City“ als ahnungsvolle Dystopie? Oder die Darstellung einer inneren Stadt als Spiegel einer zunehmend entfremdeten Identität?

rosensprung bleiben unverkennbar ihrer Klangsprache verhaftet. Das hauptsächlich instrumental angelegte und rein improvisativ entstandene Werk 60ʻ nimmt Bezüge zu vielen Genres: manchmal dem Freejazz nahe, dann wieder in reinen Noise abdriftend, psychodelic- und post- Rock Artefakte arten aus in verzerrte Passagen wie Filmmusik, die man zu kennen glaubt, fragmentarisch süsslich melancholische Klaviermotive und liebliche E-Gitarren. Selten finden sich allerdings Momente des Innehaltens, alles ist in beständiger Bewegung und Transformation. rosensprung und ihre Gäste spielen unerbittlich auf ihrer Effektorgel, die Instrumente sind teilweise ihrem Klanghabitat entrissen und derartig verfremdet, dass sie manchmal kaum erkennbar sind. Der O-Ton der Videoinstallation „soho walk“, ebenso wie die Geräusche des umgebenden Stadtraumes, wie zB. ein Feuerwehreinsatz der zufälligerweise zur Zeit der Performance in der Gasse stattfand, werden mit aufgenommen, fließen ein und vermischen sich mit den selbstreferenzierenden Klängen.

Neben Tobias Leibetseder (Voc, Guit, Keys, Sounds, Lyrics), Gernot Manhart (Bass, Keys, Sounds), Roland Czaska (Guit, Keys, Sounds) und Robert Kern (Drums, Perc) sind als Gäste Konrad Weißensteiner (Sax) und auch Axel Weinundbrot (Bassoon) dabei. Alexander Gross bedient das iPhone mit einer selbstentwickelten App (Music Studio).

 

 

Live CD Presentation + Performance:

rosensprung and Guests

16.September 2011 20:00

Gebelergasse 47, 1170 Vienna

KNH Basislokal